Laco Deczi (Jahrgang 1938) wuchs in der Nähe von Bratislava auf. Er gilt als Wegbereiter des Hardbop in der Tschecheslowakei, spielte in Karel Velebnys Formation „SHQ“ und gründete 1967 in Prag seine Band Celula (heute: Celula New York). Mitte der 1980er Jahre emigrierte er zunächst in Bundesrepublik, 1987 nach New York. Kurz nach seiner Ankunft in den USA gewann er bei einem Wettbewerb das Mundstück einer Trompete von Louis Armstrong. Mit seiner Band Celula war Deczi 1974, beim ersten Konzert des Bamberger Jazzclubs e.V. in Stegaurauch zu Gast. Er spielte Dutzende Male im Keller. Foto: PR

40 Jahre Freundschaft - Laco Deczi und der Jazz aus Prag

Der Jazzclub Bamberg feiert 2014 seinen 40. Geburtstag. Was genießen Sie am Jazzclub? 

Ich kann nicht glauben, dass dieser Club 40 Jahre alt ist. Als er damals geboren wurde, lebte ich in einem totalitären kommunistischen System in der Tschecheslowakei. Die Reisen nach Deutschland waren ein befristeter Ausbruch. In Bamberg fand ich viele Freunde. 

Erinnern Sie sich noch, wie Sie Randolf John, einem der Initiatoren des Jazzclubs, zum ersten Mal begegnet sind?

Ich traf Randolf John in Prag. Er half dem Club sehr stark, weil er ihn sponserte. Ich denke sehr oft an Randolf, er war ein warmherziger Mensch. 

Was war so besonders am Bamberger Club?

Bamberg war der wichtigste Club für mich, da wir sehr viele Male hier spielten. Bamberg ist für mich so zu einem zweiten Zuhause geworden.

Mitglieder des Clubs sahen sich selbst als Teil einer linksalternativen Szene. Haben Sie davon etwas mitbekommen?

Als der Club anfing, lief er wohl auch deshalb für mich sehr erfolgreich. Er brachte die damit zusammenhängende Kultur nach Bamberg. 

Bamberg ist wie Nürnberg Partnerstadt von Prag. Hat das die Besuche erleichtert und hat es umgekehrt auch bei den Beziehungen in anderer Richtung geholfen? 

Was die Formalien angeht nein. Zwischenmenschlich ja. Gäste aus Bamberg haben oft in meiner Wohnung übernachtet. In den 1970er Jahren gab es nicht so viele Hotels in der Tschecheslowakei.

1985 kehrten Sie Prag den Rücken und emigrierten nach Deutschland, zwei Jahre später dann in die USA, nach New York. Was waren die Umstände für diese Schritte?

Dafür gab es zwei Gründe. Erstens: Ich wollte frei sein. Zweitens: Ich wollte mehr Jazz in Amerika kennenlernen.

Inwiefern hat sich Ihr Amerika-Bild durch die persönlichen Erfahrungen verändert?

Amerika hat meine Augen geöffnet, speziell für die Musik.

Sie sind bis heute regelmäßig mit Ihrer Band Celula zu Gast in Bamberg. Gibt esaußer dem Club Menschen und Orte, die Sie immer wieder besuchen?

Ich habe viele Freunde in Bamberg und bin vor allem mit Marianne Benz, der Vorsitzenden, sehr gut befreundet. Sie ist eine der wichtigsten Personen in der Geschichte des Jazzclubs. Wenn ich in Bamberg bin, besuche ich gerne die Altstadt. 

Seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems strömen Millionen von Touristen nach Prag und die Prager Jazz-Clubs können sich über Besuchermangel nicht beklagen. Wie authentisch sind die Clubs geblieben? 

Viele Jazzclubs haben sich verändert, vor allem im Design.

Wenn Sie DJ auf der Geburtstagsparty des Jazzclub spielen dürfte, welche Musik würden Sie dann unbedingt auflegen?

Ich würde Schallplatten auflegen von Cannonball Adderley, Clifford Brown, John Coltrane.